
Herr Professor Bloch, gewisse Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom tolerieren oder akzeptieren die CPAP-Masken-Therapie nicht. Welche Alternative bieten Sie ihnen in erster Linie an?
Eine Zahnspange, die nachts den Unterkiefer nach vorn drückt. Mit hoher Erfolgsquote stellt sie den normalen Schlaf und die Konzentrationsfähigkeit am Tag wieder her und senkt das durch die Schlafstörung verursachte Unfallrisiko sowie den Blutdruck.
Eignet sich die Zahnspange für alle Schlafapnoe-Patienten?
Nein, es kommt auf den Zustand von Zähnen und Kiefer an. Deshalb gibt es zuerst eine Untersuchung sowie Röntgenaufnahmen durch einen auf Kieferorthopädie spezialisierten Zahnarzt. Aufgrund eines Gipsabdrucks erstellt der Zahntechniker dann die Spange.
Wie bequem sind diese Zahnspangen?
Normalerweise gewöhnen sich die Patienten gut daran. Am Anfang sind die Zähne und die Kiefergelenke am Morgen für einige Minuten etwas empfindlich, aber das verschwindet in der Regel nach wenigen Wochen.
Weshalb ist die Zahnspange heute nur zweite Wahl?
Bei der Spange gibt es im Gegensatz zur CPAP-Therapie noch keine gut dokumentierten Langzeit-Erfahrungen. Zudem bringt CPAP schon in der ersten Nacht ein Erfolgserlebnis, während das für die Spange wegen der Anpassungs- und Angewöhnungszeit mehrere Wochen dauert.
Wie überprüft man die Wirkung der Zahnspange?
Nach Abschluss der Anpassung kommen die Patienten zu Kontrollen ins Schlaflabor.
In Ihrem Beitrag wird auch die Reduktion von Übergewicht empfohlen.
Die Reduktion von Übergewicht ist eine wichtige Begleitmassnahme. Wenn herkömmliche Massnahmen nicht erfolgreich sind, stehen Operationen wie Magen-Bypass und Magen-Banding im Vordergrund. In einer Studie mit 12 266 operierten übergewichtigen Patienten wurde bei 20% der Patienten Schlafapnoe diagnostiziert. Nach der Operation war die Schlafapnoe bei 85% stark vermindert oder ganz verschwunden. Die Eingriffe wirken sich in mehrfacher Hinsicht positiv auf die Gesundheit der Patienten aus.
Operationen an den Atemwegen werden in Ihrem Beitrag ausführlich behandelt. Viele Schlafapnoe-Patienten hoffen ja gerade, damit rasch geheilt zu werden.
Man unterscheidet heute drei Arten von Eingriffen. Bei den Weichteil-Operationen kürzt man zum Beispiel Halszäpfchen und Gaumensegel, verkleinert das Zungenvolumen oder versucht, die Rachenmuskulatur zu versteifen. Leider sind diese Eingriffe wissenschaftlich zu wenig untermauert und wir können sie nur in Ausnahmefällen empfehlen, zum Beispiel bei Kindern mit vergrösserten Mandeln. Operationen am Kiefer sind einschneidend und wir empfehlen sie selten, zum Beispiel, wenn man Missbildungen korrigieren muss. Die Entfernung von Polypen und Eingriffe an der Nasenscheidewand können in bestimmten Fällen Schlafqualität und Verträglichkeit der CPAP-Therapie verbessern.
Gibt es immer noch keine Medikamente für die wirksame Behandlung von Schlafapnoe?
Solche Medikamente müssten lokal die Muskelspannung erhöhen. Man forscht daran, bis jetzt ohne Erfolg. Es gibt jedoch unterstützende Medikamente und solche gegen die Folgen, also Nasensprays bei Heuschnupfen oder Wachmacher, welche die Schläfrigkeit und Konzentrationsschwächen im Alltag bekämpfen. Ein praktisches Hausmittel hingegen ist der in der Nacht am Rücken befestigte Ball. Er hält Patienten davon ab, in Rückenlage zu schlafen, welche Schlafapnoe verstärkt.
Welche Schlüsse können Schlafapnoe-Patienten aus Ihrem Beitrag ziehen?
Wer die CPAP-Therapie verträgt, hat damit weiterhin die optimale Lösung. Bei Unverträglichkeit ist die nach Mass gefertigte Zahnspange die am erfolgversprechendste Alternative. Magenoperationen zur Verminderung von starkem Übergewicht sollte man ernsthaft ins Auge fassen, wenn andere Massnahmen zur Übergewichtsreduktion nicht erfolgreich waren. Operationen an den Atemwegen empfehlen wir nur in Spezialfällen. Wichtig ist zu wissen, dass sich Massnahmen vielseitig kombinieren lassen. Zum Beispiel CPAP mit der Zahnspange, die man vor allem auf Reisen einsetzt. Besondere Vorsicht geboten ist mit «Wundermittelchen», wie sie in Zeitschriften oder im Internet angeboten werden. Patienten sollten sie auf jeden Fall erst nach Rücksprache mit ihrem Arzt ausprobieren.
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