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Die Lunge ist ein sehr empfindliches Organ, und die Wände der Alveolen, durch die der Übertritt des Sauerstoffs ins Blut erfolgt, sind extrem dünn. Im Falle einer Infektion ist es die Aufgabe der weissen Blutkörperchen, die Bakterien zu vernichten. Sie tun dies mittels hochwirksamer Enzyme, die jedoch nicht nur die unerwünschten Bakterien eliminieren, sondern auch die Wände der Lungenbläschen angreifen, wenn diese nicht entsprechend geschützt sind. Dieser Schutz der Alveolen erfolgt durch ein Protein namens Alpha-1-Antitrypsin.
Erfüllt Alpha-1-Antitrypsin seine Rolle als Schutzschild nicht, greifen die weissen Blutkörperchen im Falle von Atemwegsinfektionen auch immer wieder die Wände der Alveolen an und zerstören sie im Lauf der Zeit allmählich. Diese fortschreitende Zerstörung ist die Ursache einer Atemwegserkrankung namens «Emphysem» (Bild 2), einer Form von COPD. Das Emphysem führt zu einer fortschreitenden Verkleinerung der Austauschfläche für die Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe des Blutes. Die Lungenelastizität nimmt ab und die Kräfte, welche die kleinen Bronchien offen halten, werden geschwächt, was deren Durchmesser verkleinert und den Luftdurchfluss behindert. Dies führt zu einer zunehmend erschwerten Atmung. Ist jemand mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel Raucherin oder Raucher, addieren sich die beiden Phänomene und die Beeinträchtigung der Atmung tritt schon in jungem Alter auf.
Alpha-1-Antitrypsin-Mangel beruht auf einer Veränderung des Erbguts. Es gibt verschiedene Arten der Veränderung: die schwächste nennt sich S, die Form Z ist schwergradiger und die Form Null am gefährlichsten (es findet überhaupt keine Produktion von Alpha-1-Antitrypsin statt). Die Normalform bezeichnet man als M.
Wir erben immer ein Chromosom von der Mutter (M, S, Z oder Null) und eines vom Vater (ebenfalls M, S, Z oder Null). Trägt nur eines der vererbten Chromosomen die Krankheit, ist das Risiko einer Symptomentwicklung minimal. Sind beide Chromosomen betroffen, steigt das Krankheitsrisiko entsprechend. Die Folgen dieser Anomalien sind im unteren Kasten aufgeführt.
Stärker werdende Atemnot, pfeifende Atmung, chronischer Husten mit Auswurf und häufig auftretende Erkältungen. Die Diagnose erfolgt meist erst bei Erwachsenen zwischen 30 und 50 Jahren, auch wenn die Erbgutveränderung schon seit der Geburt besteht. Die Vorgeschichte kann Aufschlüsse geben, z.B. wenn mehrere Familienmitglieder Atemprobleme haben. Bei Röntgenthoraxaufnahme oder Thoraxcomputertomographie können Hinweise auf die Krankheit gefunden werden. Mit Laboruntersuchungen lassen sich der Alpha-1-Antitrypsin-Anteil im Blut und damit die verschiedenen Typen MZ, SZ, ZZ oder Null bestimmen.
Man kann Alpha-1-Antitrypsin in wöchentlichen Infusionen verabreichen, jedoch gelangen dabei nur 2% des Produkts in die Lunge und die Langzeitwirkung dieser Behandlungsmethode ist unbekannt. Es bleiben die bei COPD empfohlenen Massnahmen: vollständiger Rauchstopp, Schutz gegen Luftverschmutzung, Impfung gegen Grippe und Pneumokokken, Antibiotika und Kortikostereoide bei akuten Infektionen, Physiotherapie und bei einer Verschlimmerung Sauerstofftherapie, Rehabilitation oder eventuell sogar ein chirurgischer Eingriff wie Lungenvolumen-Reduktion oder -transplantation.
| 3% der COPD-Betroffenen weisen auch einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel auf. |
| Nach dem Auftreten der ersten Symptome vergehen im Durchschnitt noch 7,5 Jahre, bis die entsprechende Diagnose erstellt wird. |
| Die Patientinnen und Patienten haben vor Erstellung der Diagnose schon 3 bis 7 Ärztinnen oder Ärzte konsultiert. |
| Mit Rauchen treten die Atmungsstörungen 15 Jahre früher auf. |
| In der Schweiz weisen etwa 1600 Personen einen Gendefekt für Alpha-1-Antitrypsin auf, weltweit sind es 3 Millionen. |
| Gentyp | Alpha-1-Antitrypsin-Anteil im Blut (μmol/l) | Folgen und Risiko für ein Emphysem |
|---|---|---|
| MM | 20 bis 53 | Normalzustand |
| MZ und MS | 12 bis 28 | Führt selten zu Symptom-Entwicklung |
| SS | 13 bis 27 | Risiko zu Symptom-Entwicklung |
| SZ | 10 bis 16 | Hohes Risiko |
| ZZ | 2,5 bis 7 | Sehr hohes Risiko |
| Null | 0 | Sehr hohes Risiko |
Dr. François Heinzer, Lausanne
Frau Ghislaine Vautier, Präsidentin
Avenue de Rumine 51
1005 Lausanne
Tel. 021 312 07 79
Fax 021 312 07 89
gvautier@worldcom.ch
www.alpha-1swiss.ch
Prof E. Russi
Abteilung für Pneumologie
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich

Jeden Dienstag 17-19 Uhr beantworten Ärztinnen und Ärzte Ihre Fragen zu Lunge und Atemwegen. Eine kostenlose Dienstleistung der Lungenliga.