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Die Ursache und genaue Entstehung der Sarkoidose, welche auch Morbus Boeck oder Morbus Schaumann-Besnier genannt wird, bleibt bis heute ein Rätsel, an dem weltweit geforscht wird. Man nimmt an, dass es sich um eine Überreaktion des Immunsystems auf einen bestimmten Stoff handelt. Um welchen Stoff ist allerdings unbekannt. Auch ist unklar, ob es sich jeweils um ein und denselben Stoff handelt, oder ob es verschiedene Stoffe sind, die Sarkoidose verursachen können. Die Überreaktion des Immunsystems äussert sich in einer Ansammlung von Entzündungszellen in betroffenen Organen. Diese Entzündungszellen formieren sich zu eigentlichen Knötchen, welche dann zum Beispiel auch auf einem Röntgenbild gesehen werden können. Diese Knötchen nennt man «Granulome». Sie haben ein sehr typisches Aussehen. Die Knötchen und begleitende Vernarbung können die Funktion des betroffenen Organs behindern oder Schmerzen verursachen.
Bis die endgültige Diagnose gestellt wird, geht es mitunter Wochen und Monate, wenn nicht Jahre. Für uns Ärztinnen und Ärzte ist es deshalb schwierig, weil sich diese Erkrankung so unterschiedlich präsentiert. So vermuten Ärztinnen und Ärzte zuerst, es könnte sich zum Beispiel um eine hartnäckige Grippe oder Asthma handeln, also um Krankheiten, die viel häufiger sind als die Sarkoidose. Die Sarkoidose ist eine seltene Erkrankung. In der Schweiz dürfte sie dennoch zwischen 1500 und 3000 Patientinnen oder Patienten betreffen. Zur Sicherung der Diagnose ist meist eine Gewebeprobe des betroffenen Organs notwendig. Ist die Lunge beteiligt, wird dies im Rahmen einer Lungenspiegelung durchgeführt. Handelt es sich um eine Sarkoidose, ist es wichtig, das genaue Ausmass festzustellen. Deshalb sind je nach Situationweitere Untersuchungen wie Röntgenuntersuchungen, Lungenfunktionsprüfung, Blut- und Urinuntersuchungen von nöten.
Im Einzelfall kommen sehr unterschiedliche Medikamente zum Einsatz. Bei vielen Betroffenen genügt eine lokale Therapie, z.B. Inhalationen, Augentropfen oder Salben für die Haut. Andere Patientinnen und Patienten benötigen Medikamente, die auch die inneren Organe erreichen. Neben Kortisonpräparaten kommen heutzutage auch eine Serie von Medikamenten zum Einsatz, welche die Vermehrung von Körperzellen, insbesondere der immunologisch bedeutsamen weissen Blutkörperchen, vermindern oder entzündungshemmend wirken. Für sehr hartnäckige Fälle wird neuerdings der Einsatz von TNF-alpha-Blockern – das sind biologische Medikamente, die über einen spezifischen Mechanismus den körpereigenen Botenstoff TNF-alpha hemmen – in Studien erprobt. Obwohl die Kosten letzterer Therapie sehr hoch sind, könnten diese wirksamen Medikamente in naher Zukunft zur Verfügung stehen. Neben der rein medikamentösen Therapie sollte aber nicht ausser Acht gelassen werden, dass sich die Sarkoidose auch auf das Gemüt auswirken kann. Häufig trifft es jüngere Erwachsene bzw. Erwerbstätige, welche voll im Leben stehen und nicht wissen, was auf sie zukommt. Eine entsprechende (psychosoziale) Betreuung/Begleitung zur gegebenen Zeit ist sehr wichtig.
PD Dr. Dr. Martin H. Brutsche,
Stv. Abteilungsleiter Pneumologie der Universitätskliniken Basel,
für die SIOLD-Arbeitsgruppe
Zum Beispiel: Die Interdisziplinäre Sarkoidose-Sprechstunde am Universitätsspital Basel
Anmeldung für die Sprechstunde: Telefon 061 265 51 80 (Kantonsspital Basel)
Auskunft zur Sprechstunde erteilt: PD Dr. Martin H. Brutsche, Stellv. Chefarzt Pneumologie der Universitäts-kliniken Basel.
Mail: mbrutsche@uhbs.ch
Schweizerische Sarkoidose-Vereinigung
Deutsche Sarkoidose-Vereinigung
Schweizerisches Register für Interstitielle und Seltene Lungenkrankheiten (SIOLD)

Jeden Dienstag 17-19 Uhr beantworten Ärztinnen und Ärzte Ihre Fragen zu Lunge und Atemwegen. Eine kostenlose Dienstleistung der Lungenliga.